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Home / Lexika/ Wirtschaftslexikon / N / Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik

 

Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik



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Als nach der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929 – 1932 abzusehen war, dass die Selbstheilungskräfte des Marktes nicht ausreichten um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern, schaffte John Maynard Keynes die Grundlage für staatliche Interventionen in die Wirtschaft.

Die Theorie der nachfrageorientierten Politik gründet darauf, dass allein die gesamtwirtschaftliche Nachfrage darüber entscheidet, wie stark eine Wirtschaft wachsen kann. Durch eine erhöhte Nachfrage könnten die Unternehmen mehr Produkte absetzen, was zu höheren Einnahmen durch den höheren Absatz einerseits und andererseits durch den kurzfristigen Preisanstieg für die Produkte, der bei leeren Lagen entsteht, führe. Die notwendige Folge sei, dass die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten ausbauten um den steigenden Absatz zu bedienen und ihre Einkommen zu erhöhen. Dazu würden entweder Investitionsgüter eingekauft oder, auch zusätzlich, mehr Arbeitskräfte eingestellt. Beide Maßnahmen führten zu einer weiteren Steigerung der Nachfrage. Besonders die Investition in Maschinen und andere Investitionsgüter impliziere eine Nachfragesteigerung bei den herstellenden Unternehmen, was wiederum neue Investitionen in Rohstoffe, Zuliefererprodukte hervorrufe. Schließlich würden Arbeitsplätze geschaffen. Dieser Multiplikatoreffekt erhöhe die anfängliche Investition in die gesamtwirtschaftliche Nachfrage um ein Vielfaches.

Um diesen Prozess einzuleiten seien jedoch staatliche Interventionen nötig. Diese äußerten sich zum einen in direkten Investitionen, vorwiegend in die Infrastruktur, und Investitionszuschüsse, zum Beispiel für private oder geschäftliche Bauvorhaben. Indirekte Investitionen können durch fiskalpolitische Maßnahmen, wie Steuerfreibeträge, bessere Abschreibungsmöglichkeiten für investitionsbedingte Ausgaben oder Subventionen, getätigt werden. Geldpolitische Maßnahmen wie die Zinssenkung oder die Erhöhung der Liquidität der Banken durch Freigabe von Reserven können die Nachfrage nach Krediten erhöhen, die für Investitionen benötigt werden.



Die Notwendigkeit zu staatlichen Investitionen sei außerdem gegeben, da höhere Löhne zwar entstehen und die Nachfrage dadurch steige. Die Lohnempfänger gäben aber nur einen bestimmten Teil der Lohnsteigerung für den Konsum aus. Letztendlich erhöhe sich die Sparquote. Übersteige die Sparquote die Konsumquote, entstehe eine deflatorische Lücke, die nur durch zusätzliche Investitionen ausgeglichen werden könne.

In 1960er Jahren wurde das Stabilitätsgesetz verabschiedet (1967), dass eine antizyklische Wirtschaftspolitik vorsieht. Dabei sollen Wachstum, Vollbeschäftigung, Preisstabilität und außenwirtschaftliches Gleichgewicht gleichermaßen gewahrt bleiben. Dem Staat steht damit ein Instrumentarium zur Verfügung, dass es ihm erlaubt, kurzfristige Entscheidungen zur Glättung von zu starken Konjunkturschwankungen zu treffen. So zum Beispiel die Senkung oder Steigerung der Körperschaftssteuer um 10% für bis zu einem Jahr.

Schwachpunkte sehen angebotsorientiert denkende Kritiker vor Allem in den steigenden Interventionen des Staates. Einerseits würde der Staat zuviel Geld ausgeben, dass durch erhöhte Steuern etc. eingetrieben werden müsse. Dadurch verlieren die Unternehmen und Haushalte an Kapital. Andererseits könnte die Wirtschaft unter freien Bedingungen zielorientierter arbeiten. Besonders durch Subventionen würden Branchen am Leben erhalten, die ohne Bezuschussung keine Überlebenschance hätten (Stichwort: Kohlebergbau). Dadurch würde verhindert, dass zukunftsorientierte Unternehmen sich etablieren und Arbeitsplätze in neuen Zweigen schaffen könnten.

Die Wirtschaftskrise in den 1970ern Jahren habe zudem gezeigt, dass staatliche Interventionen verpuffen können, wenn die Wirtschaft sich in einer zu starken Krise befindet. Allerdings wirkten zu jener Zeit, nach der Ölkrise, verschiedene wirtschaftspolitische Maßnahmen gegeneinander, da einerseits die Notenbanken versuchten die drohende Inflation durch höhere Zinsen abzufedern und der Staat andererseits eine expansive Fiskalpolitik führte, die die Unternehmen zu höheren Investitionen verleiten sollte. So konnten die staatlichen Maßnahmen nicht im erstrebten Sinn wirken.



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