Mündliche Prüfungen Deutsch Fernabitur ILS 2011


Bericht von Gerrit:

Deutsch – Nathan der Weise / Homo Faber

Nathan der Weise

Es wurde ein Zitat eines Nobelpreisträgers in der Vorbereitungszeit vorgelegt, das aussagte, dass Religion einzig und alleine Krieg und Gewalt fördere und nie die Absicht hatte die Menschen einander näher zu bringen oder Frieden zu stiften. Ich sollte meine Meinung dazu äußern. Also erst mal völlig unabhängig von Lessings Drama. Ich habe dagegen argumentiert und gesagt, dass Religion häufig dazu benutzt würde, um Krieg und Gewalt zu rechtfertigen. Gäbe es keine Religion, gäbe es andere Gründe Machtansprüche gewaltsam durchzusetzen.

Die nächste Aufgabe lautete: Erörtern Sie, ob das Zitat einen Interpretationsansatz für Nathan der Weise liefern kann.
Pro: Religion führt zu Krieg, Kreuzzüge, Nathans Verlust der Familie, Hinrichtung der Kreuzritter, Machstellung des Patriarchen, etc.
Contra: Nathan will genau das Gegenteil beweisen. Religion soll das Gute im Menschen fördern (Ringparabel – man solle im Sinne der Ringe / Religion handeln, so dass man vor Gott und den Menschen angenehm ist.)

Die dritte Aufgabe war eine Aussage, die sinngemäß so lautete: „Nathan gehört ins Bücherregal und nicht auf die Bühne. Es passiert viel zu wenig Action!“ Ja, das Wort „Äktschn“ fiel wirklich. Ich argumentierte, dass die Kreuzzüge, Nathans Tragödie, seine Weisheit und die Lebensgefahr, in der er sich befindet genug „Äktschn“ für die Bühne liefere.

Es wurden noch ein paar weitere Fragen gestellt, die aufgrund meiner Ausführungen aufkamen. Es wurde nach einem Krieg der Philosophen gefragt und ob Lessing mit seinem Drama nicht auch einen Krieg führte (Fragmentestreit mit Götze). Meine Antwort darauf war, dass es sich um einen Krieg mit Worten handle und dies keine Gewalt sei, auf die sich der Nobelpreisträger beziehe. Wenn also dem „Philosophen“ die Argumente ausgingen, habe er seinen „Krieg“ verloren. Gut, es war vielleicht auch viel an den Haaren herbei gezogen, aber die Prüfer schienen zufrieden.

Homo Faber

Es gab zwei Textausschnitte. Einmal Seite 47 (Rückblick auf Beziehung mit Hanna) und zum anderen Seite 152 (Faber und Sabeth im Wettstreit um die besseren Vergleiche). Beiden Textstellen wurde die Seitenzahl zugewiesen, so dass sie schnell eingeordnet werden konnten. Diese Textstellen sollten nun von mir inhaltlich eingeordnet werden. S.47 ist ein Rückblick und nicht Teil der Erzählzeit. Es dient dazu, den Leser in die Vorgeschichte einzuweihen. S.152 ist in der Erzählzeit und beschreibt die letzten Stunden / Tage mit Sabeth, bevor diese stirbt. Das und nicht mehr habe ich gesagt. Hat anscheinend gereicht. Es wurden keine Fragen dazu gestellt.

Zweite Aufgabe: Anhand der Textstellen sollte Fabers Wandel beschrieben werden. S.47 – Er ist sich seiner Gefühle Hanna gegenüber nicht im Klaren. Erst im Laufe des Buches, bzw. seiner Berichte erkennt er, dass Hanna die einzige Frau war, die er je geliebt hatte. Eine gemeinsame Zukunft hatte er sich unter anderem durch sein Verhalten in der Textstelle verbaut. Er kann nicht auf seine Gefühle hören usw., usw. S.152 – Er wird langsam fähig, die Natur wahrzunehmen. Noch fällt es ihm schwer, er kann die Natur nur mit technischen Dingen vergleichen. Aber seine Bilder, die er von Sabeth im Kopf hat, und was mit der Natur um sie herum passiert und wie er sie wahrnimmt, steht im krassen Gegensatz zu dem, wie er die Natur z.B. in der Wüste wahrgenommen hat – und zwar gar nicht. Hier habe ich die Chance genutzt, soviel wie möglich über Fabers Veränderung zu erzählen. Das zog sich ein wenig und die Prüfer haben keine Zwischenfragen gestellt.

Letzte Frage: Woran erkennt man, dass Homo Faber ein moderner Roman ist? Er spielt in einer modernen Zeit mit modernen Problemen. Vor allem Mensch und Natur –  was ein sehr aktuelles Thema ist. Umweltschutz, Rückkehr zu den natürlichen Dingen, etc. Dann habe ich noch das moderne Männerbild angeführt. Wann ist ein Mann ein Mann?! Wieso zwängt sich Faber in diese Rolle – wie fühlen sich Männer in ihrer Rolle (Fabers Meinung ist es ja z.B. das nur der Ingenieursberuf der einzig wahre Berufe für einen Mann sei, etc.). Als Mann ist es natürlich ein leichtes gewesen, dass auch etwas genauer auszuführen.

Prüfungssituation

Die Prüfer haben insgesamt unfreundlicher und desinteressierter gewirkt als es in Geschichte der Fall war. Es gab weniger Lächeln und weniger Kopfnicken, was mich etwas verunsicherte. Die Lektüren hatte ich zwar mit in die Prüfung genommen, habe sie aber nicht gebraucht. Zur Vorbereitung hatte ich die Lektüren und ihre Literaturhilfen von Stark durchgelesen. Als kurze Zusammenfassung einen Tag vor der Prüfung fand ich auch Wikipedia sehr hilfreich. Ein kleiner Lichtblick  für alle, die in der ILS Zeit Probleme in Deutsch haben, ist, dass die mündliche Prüfung ganz anders ist. Ich war in Deutsch ein recht mittelmäßig bis schlechter Schüler und habe am Ende trotzdem eine gute Note (die alles entscheidende) bekommen. Das wichtige ist, sich auf die Lektüre wirklich einzulassen und eine eigene Meinung dazu zu entwickeln.

Ergebnis: 15 Punkte

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