Sprachen lernen Serie Teil 1: Tu es einfach.


Sprachen lernen durch Praxis

Die meisten von uns haben ein großes Problem damit, etwas zu tun, was sie nicht können. Wir haben so große Angst davor, einen Fehler zu machen, dass wir etwas, von dem wir nicht überzeugt sind, es fehlerfrei ausführen können, gar nicht erst versuchen. Bei vielen Dingen macht dies Sinn. Wer nie gelernt hat, Auto zu fahren, tut gut daran, sich nicht einfach hinter das Steuer eines Linienbusses zu setzen. Es gibt aber viele Menschen, die zwar einen Führerschein haben, diesen aber nicht benutzen, weil sie das Gefühl haben, in der Fahrschule nicht genug geübt zu haben. Einfach nicht gut genug zu sein. Anstatt das Fahren dann mit einer anderen Person gemeinsam oder auf Feldwegen in Tempo 20 zu üben, bleibt der Führerschein in der Tasche und die wenige Routine, die sich in der Fahrschule aufgebaut hat, geht komplett verloren.

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Und so oder so ähnlich geht es den meisten von uns mit Fremdsprachen. In der Schule konfrontiert uns an zwei oder drei Tagen ein Lehrer, den wir mögen oder nicht, für 45 Minuten mit Vokabeln, Grammatik und Hörbeispielen. Vielleicht verbringen wir eine weitere Stunde pro Woche damit, Wörter in Lückentexte zu füllen, Vokabeln zu lernen und den einen oder anderen Text zu verfassen.

Nicht viel besser sieht es in Sprachkursen aus. Fernlehrgänge und andere Selbstlernkurse zwingen uns noch am ehesten dazu, uns intensiv mit einer Sprache zu befassen. Einen Kurs an der Volkshochschule besuchen wir dagegen einmal wöchentlich. Und, seien wir ehrlich, die wenigsten von uns befassen sich in der Zwischenzeit mit dem Gelernten. Und trotzdem erwarten wir, die versprochenen Ziele zu erreichen, Muttersprachler zu verstehen und mit ihnen eine Diskussion über das Wetter führen zu können.

Aber natürlich ist das Quatsch. Abgesehen davon, dass wir uns eben in aller Regel nicht dazu durchringen werden können, so ein Gespräch zu führen, fehlt uns auch einfach die Praxis, um im richtigen Moment, die passenden Wörter zu finden und diese grammatikalisch korrekt aneinander zu reihen. Es treffen sich unsere Angst zu Versagen und eine schlichtweg schlechte Vorbereitung. Und das einzige, was dagegen hilft, ist die Sprache, die wir lernen möchten, anzuwenden. Und zwar vom allerersten Tag, wann immer es geht. Und wie das funktionieren, erfahren Sie jetzt:

1. Sprechen Sie so viel wie möglich frei.

Das klingt natürlich banal. Und wahrscheinlich geht Ihnen die berechtigte Frage durch den Kopf “Mit wem denn?”. Aber wenn Sie genauer darüber nachdenken, fallen Ihnen sicher mehrere Möglichkeiten ein. Hier ein paar Anregungen:

Sprechen Sie mit sich selbst.

Wann immer sie können und alles, was Sie sonst auf deutsch zu sich sagen würden, benutzen Sie die Sprache, die Sie lernen möchten. Kommentieren Sie Ihre Handlungen in der Fremdsprache. Es ist nicht schlimm, wenn Sie Fehler machen oder die Aussprache nicht sitzt. Niemand hört sie und niemand beurteilt sie. Und Sie sollten das auch nicht tun. Sie sind hier, um zu üben und da sind Fehler richtig, wichtig und gut. Gerade am Anfang, wenn Sie noch sehr unsicher in einer neuen Sprache sind, können Sie auf diese Weise Praxiserfahrungen sammeln. Wenn es Ihnen zu blöd ist, mit sich selbst zu reden, sprechen Sie mit Ihrer Katze oder Ihrem Kind oder einer Pflanze. Erzählen Sie ihr von Ihrem Tag.

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Suchen Sie sich einen Sprechpartner.

Wenn Sie einen Kurs machen, wird es Ihnen nicht schwerfallen, jemanden zu finden, mit dem Sie das Sprechen üben können. Schicken Sie sich gegenseitig Sprachnachrichten, treffen Sie sich auf einen Kaffee oder nutzen Sie den Weg vom Kurs zum Bus, um das Sprechen zu üben. Wenn Sie autodidakt lernen, fällt Ihnen vielleicht ein Bekannter ein, der die Fremdsprache ebenfalls lernt oder bereits beherrscht. Wenn nicht, werden Sie sicher in einem der vielen Internet-Foren fündig.

Suchen Sie sich einen Tandem-Partner.

Es gibt immer jemanden, der ihre Sprache lernen möchte und die Sprache beherrscht, die Sie lernen wollen. Vielleicht nicht um die Ecke, aber ganz sicher im Internet. Über Skype oder Sprachnachrichten können Sie von den Sprachkenntnissen des anderen profitieren.

2. Lesen Sie, was Sie in die Finger bekommen.

Sie müssen nicht mit Marcel Proust anfangen, wenn Sie Französisch lernen, aber wann immer Sie Schriftstücke in der Sprache, die Sie lernen, finden, versuchen Sie zumindest einen Teil davon zu lesen. Suchen Sie sich einen Blog, in dem in der Fremdsprache über eines Ihrer Hobbies geschrieben wird. Nehmen Sie im Museum, den Flyer in der anderen Sprache, wenn verfügbar. Lesen Sie tagespolitische Themen, den Wetterbericht und Klatsch-Nachrichten in der Sprache, die Sie lernen wollen. Und wann immer dies möglich ist, tun Sie es laut.

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Sie müssen nicht alles verstehen, was Sie lesen. Bleiben Sie nicht an einzelnen Wörtern hängen. Lesen Sie, um zu lesen. Bekommen Sie ein Gefühl für die Sprache, den Satzbau, die am häufigsten verwendeten Wörter. Üben Sie Betonungen und finden Sie Redewendungen. Es ist gut, wenn Sie den Inhalt verstehen, aber viel wichtiger ist, dass Sie vertrauter werden, mit der Sprache. Versuchen Sie deshalb jeden Tag zumindest einen Text zu lesen.

3. Denken Sie in der neuen Sprache.

Jeden Tag gehen uns so viele Gedanken durch den Kopf, dass wir sie weder zählen noch kontrollieren können. Manche Gedanken aber sind sehr bewusst. Tagträume, Grübeleien und Vorbereitungen auf Gespräche zum Beispiel. Versuchen Sie diese täglichen Gedanken in der neuen Sprache zu denken. Auf diese Weise wird Ihnen die Sprache immer vertrauter. Sie können auch mögliche Gesprächssitutionen in der neuen Sprache gedanklich abspielen und sich so darauf vorbereiten. Es gibt viele Studien, die belegen, dass wir durch das Üben in unserem Kopf, tatsächlich besser werden.

4. Dinge bezeichnen.

Warten Sie an der Bushaltestelle auf den Bus. Super, dann haben Sie ja einen Moment Zeit, all die Dinge, die Sie um sich herum sehen, in der neuen Sprache zu bezeichnen. Wie war doch gleich das Wort für Auto? Frau? Gullideckel? Sind Sie allein? Noch besser, dann können Sie die Worte sogar laut sprechen.

5. Singen Sie.

In den meisten Sprachen gibt es Volkslieder, Schlager oder Pop-Songs. Suchen Sie sich Musik, die Ihnen gefällt und lernen Sie die Texte. Oder übersetzen Sie Lieder aus einer Sprache, die Sie bereits kennen und singen Sie die Übersetzung. Hierzu eignen sich die meisten Kinderlieder besonders gut.

Wenn Sie diese fünf Tipps umsetzen, werden Sie schnell Verbesserungen nicht nur bei der Aussprache, sondern auch beim Verständnis und vor allem auch bei dem Gefühl, das Sie gegenüber der Sprache haben, feststellen. Sie werden vertrauter mit dem Fremden und werden sich, wenn Sie in eine entsprechende Situation kommen, eher trauen, die Fremdsprache anzuwenden. Fallen Ihnen weitere Möglichkeiten ein, selbst aktiv zu werden in der neuen Sprache?

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