Die Umschulung für Hartz4-Empfänger – Welche Kosten werden übernommen?


ein Gastartikel von Isabel Frankenberg

Bietet ein Beruf nicht mehr genügend Jobchancen auf dem Arbeitsmarkt oder soll einer Arbeitslosigkeit vorgebeugt werden, bietet sich eine Umschulung zu einem anderen Tätigkeitsfeld an. Da diese jedoch häufig mit Kosten verbunden ist, welche vor allem von Hartz4-Empfängern nur schwer neben den Kosten zum Lebensunterhalt getragen werden können, bietet das Arbeitsamt finanzielle Unterstützung an. Welche Kosten der Umschulung dabei übernommen werden und welchen Voraussetzungen diese überhaupt bedarf, klärt die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. auf ihrem kostenlosen Ratgeberportal.

Wie schon erwähnt, gibt es viele Gründe für eine Umschulung. Zum einen dient diese dazu, einer Arbeitslosigkeit vorzubeugen, zum anderen um dieser zu entkommen. Dies ist z.B. aufgrund von schlechten Jobchancen auf dem Arbeitsmarkt der Fall. Werden in einem bestimmten Tätigkeitsfeld nur wenige Jobs angeboten und scheint sich dies in absehbarer Zukunft auch nicht zu ändern, bietet sich eine Umschulung an.

Ein anderer Grund für eine Umschulung besteht im Falle einer Krankheit oder anderen Schicksalsschlägen, welche die Ausübung des ursprünglichen Berufes nicht mehr möglich machen. Hat beispielsweise ein Bauarbeiter Rückenbeschwerden, wird ihm eine Umschulung zu einem weniger körperlich anspruchsvollen Beruf angeboten.

Hierbei werden die jeweilige Situation sowie die persönlichen Stärken des Umzuschulenden von einem Sachbearbeiter genau bewertet. Dieser sucht dann einen Job, welcher nicht nur ausreichend Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet, sondern auch auf die persönlichen Stärken des Arbeitslosen eingeht und im vorherigen Beruf erlernte Kenntnisse einbezieht.

Damit das Jobcenter eine Umschulung überhaupt genehmigt, muss der Antragsteller mindestens 18 Jahre alt sein und zuvor bereits eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Zudem müssen plausible Gründe dafür vorliegen, dass der Antragsteller seinen Beruf nicht mehr ausführen kann. Außerdem muss die Umschulung zum jeweiligen Beruf bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt versprechen. Bieten sich durch die Umschulung keine neuen Jobchancen, ist mit einer Ablehnung des Antrags zu rechnen.

Wurde die Umschulung durch das Jobcenter bewilligt, erhält der Betroffene einen sogenannten „Bildungsschein“. Dabei handelt es sich um eine Art Nachweis, dass alle Voraussetzungen für eine Umschulung vorliegen und diese durch das Arbeitsamt unterstützt oder sogar finanziert wird. Der Bildungsschein ist vor Kursbeginn beim jeweiligen Träger der Umschulung vorzulegen. Jedoch besteht auf die Ausstellung des Bildungsscheins kein rechtlicher Anspruch. Vielmehr handelt es sich um eine Kann-Leistung, deren Ausstellung in de Entscheidung des Arbeitsamtes liegt und vom jeweiligen Einzelfall abhängig ist.

Bei einer Umschulung handelt es sich meist um eine schulische Ausbildung, die bis zu zwei Jahre in Anspruch nimmt und mit einigen Kosten verbunden ist. Diese werden durch den Bildungsschein abgedeckt und enthalten folgende Leistungen:

  • Lehrgangskosten: Für den Unterricht entstehen Gebühren, welche durch das Jobcenter mitfinanziert oder gänzlich übernommen werden.
  • Fahrtkosten: Diese werden meist in Form einer Monatsfahrkarte abgedeckt, so dass nicht für jeden Einzelfahrausweis gezahlt werden muss.
  • Kosten für eine auswärtige Unterkunft: Ist das Pendeln aufgrund der Entfernung vom Heimatort zum Lehrgangsort nicht möglich, kann eine Unterbringung in der Stadt des Lehrgangs finanziert werden. Hierfür stehen pro Person bis zu 340 Euro monatlich zur Verfügung. Hinzu kommt eine Verpflegungspauschale von maximal 136 Euro monatlich.
  • Kinderbetreuungkosten: Hat der Umzuschulende aufgrund der Unterrichtszeiten keine Möglichkeit zur Kinderbetreuung, werden Alternativen zur Betreuung aufgetan. Diese können mit einer Pauschale von 130 Euro pro Kind monatlich unterstützt werden.
  • Lebensunterhalt:Während der Zeit der Umschulung erhält der Betroffene weiterhin seinen monatlichen ALG2-Regelsatz.

Häufig wird eine Umschulung mit einer Weiterbildung verwechselt. Hierbei bestehen jedoch wesentliche Unterschiede. Während die Umschulung zum Erlernen eines gänzlich neuen Berufes bzw. Tätigkeitsfeldes dient, handelt es sich bei einer Weiterbildung um das Erlernen von Kenntnissen und Fähigkeiten, die auf den ursprünglichen Beruf aufbauen.

Weitere Informationen zum Thema „Umschulung“ finden Sie unter www.arbeitslosenselbsthilfe.org.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V.

Die Interessengemeinschaft Sozialrecht e.V. wurde im Januar 2017 vom Rechtsjournalisten Marcel Weber in Berlin gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Transparenz im Bereich Sozialrecht zu schaffen, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die wichtigsten Themen zu bieten.

Ziel und Zweck der Interessengemeinschaft e.V. ist die Beobachtung sozialrechtlicher Entwicklungen, Analyse und Kommentierung aktueller Rechtsprechungen sowie der Bereitstellung von Informationen und Hilfestellungen für Leistungsempfänger und Interessierte. Dabei verfolgt der Verein keinerlei eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden. In ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Vereins erhalten diese keine Zuwendungen oder Gewinnanteile aus Mitteln des Vereins.

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