Extrinsisch? Intrinsisch? Introjiziert? | Motivation zum Lernen Teil 2


Letzte Woche haben wir darüber gesprochen, warum wir eigentlich lernen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es viele Gründe dafür gibt und geben kann, aber nicht alle hilfreich dafür sind, dass wir es auch wirklich tun. Das Lernen. Das liegt daran, dass manche Gründe aus dem tiefsten Innern Ihres Herzens entspringen, weil Sie es sich zum Beispiel schon als Teenager gewünscht haben, mit dem Motorrad über die Route 66 zu fahren, seitdem sie “Easy Rider” gesehen haben. Sie werden kaum Probleme haben und sich leicht dazu motivieren können, für die Motorradprüfung zu lernen. Vermutlich schließen Sie die Prüfung sogar früher ab, als der Durchschnitt. Und auch besser.

Wenn Sie aber den Motorrad-Führerschein machen, weil Ihr Vater, und Ihr Großvater und vielleicht noch Ihre Urgroßmutter schon auf dem Motorrad saßen und das einfach in der Familientradition liegt, Sie aber von Kraftfahrzeugen gar nichts halten und eigentlich viel lieber mit der Bahn fahren oder zu Fuß gehen, wird es Ihnen schwer fallen, Zeit für’s Lernen zu finden. Und es wird Ihnen leicht fallen, Ausreden zu finden, es nicht zu tun. Kommt nun aber ihre Mutter zu Ihnen und bettelt Sie an, die Prüfung zu tun, damit sie endlich Ruhe vor Ihrem Vater hat, der ihr allabendlich die Ohren damit volljammert, sein Sohn oder seine Tochter würde mit der Tradition brechen, und bietet sie Ihnen an, die Kosten zu übernehmen und auch noch die Bahncard100 für die nächsten fünf Jahre zu kaufen, fällt Ihnen das Lernen vielleicht etwas leichter.

Vielleicht. Höchstwahrscheinlich aber, wird diese Motivation nicht besonders lange anhalten. Vielleicht schaffen Sie es, sich mit einem zaghaften Lächeln zu den ersten fünf Fahrstunden zu schleppen. Aber wenn Sie abends, nach einem 10 Stunden Tag im Büro, das Theorie-Buch aufschlagen, fallen Ihnen nach ein paar Minuten die Augen zu. Oder Sie erinnern sich daran, dass Sie ja noch die Wäsche aufhängen müssen, die Daten für den Steuerberater raussuchen wollten und sowieso, eigentlich noch hundert andere Sachen zu tun haben. Wenn Sie die Prüfung jemals bestehen, passiert das vermutlich deutlich später als der Durchschnitt. Und deutlich schlechter.

Es sei denn, Sie sind von Hause aus ehrgeizig und können gut damit umgehen, wenn Sie ein festes Ziel vor Augen haben, auf das Sie hinarbeiten. Für manch einen ist es gar nicht so wichtig, was dieses Ziel ist und ob es ihnen etwas bedeutet. Solange es etwas gibt, das sie erreichen können, sind sie zufrieden und arbeiten darauf hin.

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Und was hat das Ganze nun mit dem Titel dieses Beitrages zu tun? Ich werde jetzt keine trockene nDefinitionen der Begriffe ‘intrinsisch’ und ‘extrinsisch’ niederschreiben. Das ist für Sie langweilig und für mich auch. Sie können die Definitionen außerdem überall nachlesen (Auch wenn das nicht immer lustig ist und Sie sich ein Kopfkissen auf den Schreibtisch legen sollten. Nur für den Fall). Stattdessen gebe ich ihnen ein paar Stichworte oder Stichpunkte aus mehreren Worten, die die zwei verschiedenen Motivationen beschreiben:

Wie zeigt sich extrinsische Motivation?

  • kommt von außen
  • es gibt eine Belohnung oder
  • die Angst vor einer Strafe
  • kein innerer Antrieb

Wie zeigt sich intrinsische Motivation?

  • kommt von einem selbst / Begeisterung
  • es braucht keinen äußeren Anreiz
  • macht kreativer
  • und flexibler

Sicher haben Sie schon erraten, welche der zwei Situationen zu welcher Motivation gehört.

Natürlich ist es nicht so einfach. Denn oftmals sind wir nicht nur auf die eine oder andere Art motiviert. So können Sie den Führerschein unbedingt machen wollen, weil Sie ein großer Jack Nicholson Fan sind und seit Ihrer Kindheit davon träumen (Begeisterung – intrinsisch) und gleichzeitig spüren Sie, dass Sie dadurch in Ihrem Freundeskreis Ihren Status verbessern (Macht – extrinsisch).

Und dann gibt es da auch noch die introjizierte, nochmal intro-ji-zierte, Motivation (Sie machen den Führerschein aus Schuldgefühlen gegenüber Ihrem verstorbenen Großvater), die identitätsbestimmte Motivation (Sie machen den Führerschein, weil Ihnen Ihre Familie wichtig ist und das nun mal dazu gehört, um ein Teil davon zu sein) und die integrierte Motivation, die noch einen Schritt weiter geht als die identitätsbestimmte Motivation.

Und was sollen Sie jetzt damit anfangen? Nun, sicher ist Ihnen klar, dass es am schwersten ist, langwierige Aufgaben zu erfüllen, wenn Sie extrinsisch motiviert sind (obwohl das immernoch besser ist, als gar keine Motivation zu haben). Schließlich gibt es Aufgaben, die man für kein Geld der Welt erfüllen würde. Und je länger es dauert, eine Aufgabe abzuschließen, desto kürzer wird diese Liste.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie nur noch die Dinge lernen sollen, die Sie begeistern. Dsa ist schließlich unmöglich. Und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Sie es schaffen, sich (künstlich) für all die Dinge zu begeistern, die Sie lernen müssen, aber nicht lernen wollen. Das ist auch unmöglich, wenn auch Teil der Lösung.

Zunächst müssen Sie herausfinden, was Sie dazu motiviert hat, zu lernen, was Sie gerade lernen. Ist die Motivation intrinsisch? Dann werden Sie sich höchstwahrscheinlich leicht damit tun. Lernen Sie aber aus extrinsischen Gründen, versuchen Sie die folgenden Tipps umzusetzen:

Finden Sie Begeisterung.

Es gibt kaum etwas, das überhaupt kein kleines Bisschen interessant ist. Suchen Sie nach den kleinen Dingen zwischen den Buchseiten, die Ihr Interesse wecken und bei denen Sie spüren, dass Sie diesen Aspekt nicht nur deshalb wissen wollen, um ihn später in einer Prüfung aufsagen zu können. Hangeln Sie sich zwischen diesen Aspekten von Lernetappe zu Lernetappe und versuchen Sie sich darauf zu freuen, auf der nächsten Skript-Seite etwas zu entdecken, das Sie vielleicht, wenn auch nur ein ganz kleines Bisschen, faszinieren könnte. Seien Sie offen für neues Wissen, heißen Sie es willkommen. Dann bleibt es lieber in den Regal in Ihrem Gehirn stehen und Sie können es bei Bedarf schneller herausziehen.

Finden Sie weitere extrinsische Motivatoren.

Wenn eine Aufgabe oder ein Projekt oder der Weg zu einem Ziel die richtige Länge hat, setzen Sie sich Zwischenziele und belohnen Sie sich angemessen. Kaufen Sie z.B. jeweils nach fünf Fahrstunden eine Kleinigkeit für Ihr Fahrrad. Oder gehen Sie anstatt zur Pommes-Bude um die Ecke zu dem leckeren Spanier ein paar Straßen weiter, nachdem Sie zwanzig Seiten Theorie-Teil durchgearbeitet haben.

Achten Sie bei der Art der Belohnung darauf, dass sie wirklich gut genug ist, um Sie zu motivieren. Und die Strecke bis zum nächsten Meilenstein, an dem die Belohnung wartet, sollte nicht zu lang, aber lang genug sein. Das heißt, Sie sollten wirklich etwas geschafft haben, aber nicht auf halber Strecke stecken bleiben, weil das Ende dieser Etappe zu weit entfernt ist.

Finden Sie Abwechslung.

Kaum ein Thema lässt sich stundenlang wälzen, ohne dass einem davon der Kopf raucht. Wenn Sie drei Stunden am Stück Straßenverkehrsordnungstheorie büffeln, ohne eine Pause zu machen, werden Sie am nächsten Tag kaum motiviert genug sein, um weiterzulernen. Und viel hängen bleibt auch nicht.

Lassen Sie das Lernen deshalb nur ein Teil Ihres Lebens sein. Und wenn Sie diese eine Sache auch nach zwei Stunden nicht verstanden haben, machen Sie etwas, das Ihnen ein Erfolgserlebnis einbringt, wie z.B. fünf Sekunden schneller sein auf der Runde um den Block oder diese eine Naht sauber nähen. Es ist nie falsch, sich erfolgreich zu fühlen. Aber besonders nach ‘Misserfolgen’ ist es ein gutes Gefühl, etwas Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Finden Sie andere Blickwinkel.

Das Buch, aus dem Sie lernen, nervt? Sehr gut, dann suchen Sie bei YouTube nach einem Tutorial, dass erklärt, was Sie gerade nicht verstehen. Vielleicht gibt es auch einen Podcast oder eine Doku zu dem Thema, oder Sie kennen jemanden, der Ihnen das Ganze anders erklären kann.

Die Perspektive wechseln können Sie auch, wenn Sie sich ans Stehpult zum Lesen stellen, oder in den Garten gehen oder sich in ein Café setzen. Oft hilft es, einfach aus der gewohnten Umgebung auszubrechen, und dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, sich neu zu orientieren.

Fazit

Natürlich ist es einfacher, wenn wir etwas tun oder lernen, was intrinsisch motiviert ist. Aber das ist nur sehr selten der Fall. Um weiterzukommen, müssen wir auch die anderen Dinge lernen. Die, bei denen sich unser Pulsschlag höchstens deshalb beschleunigt, weil wir sie zu lange aufgeschoben haben oder weil wir Angst haben, sie nicht zu verstehen.

Probieren Sie für diese Dinge obige Tipps aus und seien Sie dankbar für jede Seite, die Sie umblättern. Wenn Sie einen Schritt nach dem anderen gehen, werden Sie ankommen.

Allerdings gibt es auch Fälle, in denen diese Schritte vielleicht nicht die richtigen sind. Damit befassen wir uns nächste Woche.

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