Mit Füllwörtern Texte füllen. Oder lieber nicht.


Doch auch ein Wort hat ja nun in gewisser Weise recht viele Bedeutungen. Allerdings ist es eigentlich natürlich ziemlich subjektiv, ob die Bedeutung überhaupt ganz passend ist. Das ist durchaus relativ.

Sie finden diesen Absatz schrecklich? Ich sage Ihnen warum: Er enthält 31 Wörter. Und 14 davon sind Füllwörter. Wörter, die die Sätze nicht brauchen. Glauben Sie nicht? Zählen wir mal nach:

Doch(1) auch(2) ein Wort hat ja(3) nun(4) in gewisser Weise(5) eigentlich(6) recht(7) viele Bedeutungen. Es ist allerdings(8) natürlich(9) ziemlich(10) subjektiv, ob die Bedeutung überhaupt(11) ganz(12) passend ist. Das ist durchaus(13) irgendwie(14) wissenschaftlich belegt.

Füllwörter kann man weglassen und der Satz ergibt weiterhin den gleichen Sinn. Wetten?

Ein Wort hat viele Bedeutungen. Es ist subjektiv, ob die Bedeutung passend ist. Das ist wissenschaftlich belegt.

Ein Füllwort ist ein Wort ohne Funktion. Es gibt dem Text nichts, was die anderen Wörter ihm nicht schon gegeben haben. Oder, was ihm ein treffenderes Wort oder eine treffendere Phrase nicht geben könnte. Es mag einen Unterschied machen, ob etwas heiß oder ziemlich heiß ist. Den genauen Unterschied beschreibt das Wort ‚ziemlich‘ aber nicht. Treffender als

„Der Asphalt war ziemlich heiß.“
wäre es zu sagen:
„Der Asphalt war so heiß, wie ein frisch gebrühter Kaffee.“

Füllwörter blähen einen Text auf, nehmen ihm seine Klarheit und die Schärfe, die Präzision und stören den Leser im Textflow. Nichts ist schlimmer, als wenn ein Dozent nach einer Hausarbeit nicht weiß, worauf der Schreiber hinaus wollte. (Ja, ja, es gibt Schlimmeres). Er wird schnell merken, dass Sie das selbst gar nicht wissen und dass sie vor allem auf die Mindestanzahl an Worten zugesteuert sind.

Aber wie finde ich die Füllwörter in meinem Text?

In aller Regel ist es unmöglich, einen Text ohne Füllwörter zu schreiben. Besonders die erste Fassung beinhaltet neben jeder Menge Fehlern in Rechtschreibung und Kommasetzung zahlreiche, nichtssagende Wörter. Das ist normal. Die meisten von uns drücken sich mündlich auf diese Weise aus und das bringen wir ins Schreiben mit ein. Und hierfür überarbeiten wir einen Text. Es macht wenig Sinn, bereits beim Schreiben auf diese Worte zu achten, denn das unterbricht den Schreibfluss und das wollen wir nicht. Also schreiben wir die Rohfassung in aller Ruhe zu Ende und bemühen dann die Suchen-Funktion unseres Schreibprogramms.

Welche Füllwörter müssen raus?

Es gibt viele Listen im Netz, in denen Füllwörter aufgelistet sind. Welche tatsächlich raus müssen, hängt vom Text ab. Eine wissenschaftliche Arbeit sollte so präzise und klar wie möglich sein. Ein Blog-Artikel über das letzte Stadtfest darf da schon umgangssprachlicher daherkommen. Ich finde diese Liste für die meisten meiner Schriftstücke ausreichend:

  • Ziemlich
  • Schon
  • Doch
  • Wirklich
  • Sehr (meist gibt es ein besseres, stärkeres Adjektiv/Verb, wenn man ‚sehr‘ verwendet)
  • Eigentlich
  • Recht
  • Ja
  • Auch
  • Relativ
  • Allerdings
  • Irgendwie
  • Ganz
  • Nun
  • Überhaupt
  • Natürlich
  • Durchaus
  • In gewisser Weise

Und wie entferne ich die Füllwörter?

Wahrscheinlich sind Sie schon selbst drauf gekommen. Sie geben jedes einzelne Wort in die Suchmaske ein und lassen sich dann jeden einzelnen Treffer anzeigen. Es ist sicher verlockend, den Button ‚Alle ersetzen‘ zu klicken, aber … nein. Erstens gibt es immer ein Füllwort, das in diesem einen Satz kein Füllwort ist. Und zweitens müssen Sie für manche Konstellationen Alternativen suchen. Aufwendig? Ja, das ist es.

Tun Sie es trotzdem! Machen Sie Ihre Texte schlanker. Sparen Sie die Zeit Ihrer Leser und geben Sie Ihnen gleichzeitig verständlichere Informationen.

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