Sitzt du noch? – über das Stehen am Arbeitsplatz.


Sitzen ist das neue Rauchen. Sicher ist Ihnen dieser Satz in den vergangenen Monaten
das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen. Vielleicht schoss Ihnen dann einer
der folgenden Gedanken durch den Kopf:

Leugnen

„Das mag sein, aber ich jogge dreimal pro Woche und mache jeden Montag meinen
Yoga-Kurs.“

„Ich nicht. Ich verbringe den gesamten Nachmittag damit, den Haushalt zu schmeißen,
und bin draußen unterwegs.“

Ausreden

„Witzig. Wie soll ich denn in meinem Job bitte nicht sitzen?“

„Wenn ich abends nach Hause komme, bin ich viel zu müde, um noch rumzurennen.“

Zustimmung

„Das stimmt. Ich sitze viel zu viel.“

„Ich habe schon oft versucht, etwas daran zu ändern, aber ich bekomme es einfach
nicht hin.“

Ich will diese Aussagen nicht werten. Wie wir mit solchen Dingen umgehen, ist sehr
individuell und letztendlich kommt überall nur der zum Ziel, der dort auch hin will. Ich
wage aber zu behaupten, dass es für die meisten von uns Büromenschen ein Problem
ist, dass wir den Großteil unseres Tages auf unserem Allerwertesten verbringen. Morgens
beim Frühstück, auf dem Weg zur Arbeit in Bus, Bahn oder Auto, dann im Bürostuhl
und schließlich wieder im Auto. Bis wir irgendwann, sitzend, abends auf der Couch
zusammensinken und darüber monieren, wie anstrengend unser Tag war. Und das,
obwohl wir die meiste Zeit nur gesessen haben.

Warum wir im Sitzen nicht arbeiten können

Ja, ja, mögen Sie jetzt denken, aber die Kopfarbeit, die frisst ja meine Energie. Das
stimmt. Das merke ich selbst. Der Kopf raucht, wenn ich meine Pausen nicht einhalte.
Tatsächlich ist es aber so, dass nicht etwa das Ausruhen im Sitzen während der Mittagspause
meinen Kopf von diesem Rauch befreit, sondern ein Spaziergang, ein kurzes
Workout oder ein paar Sonnengrüße.

Was hat das alles jetzt mit der Überschrift zu tun? Das will ich Ihnen sagen. Trotz
eines, durchschnittlich betrachtet, sehr hohen Sportpensums fühlte ich mich am
Schreibtisch schnell müde, konnte mich nicht richtig konzentrieren und brauchte ziemlich
lange Pausen, um all das wieder herzustellen. Das ist jetzt anders.

Ich schreibe diesen Artikel im Stehen. Seit etwa fünf Stunden stehe ich an meinem
Schreibtisch (unterbrochen von diversen morgendlichen Aktivitäten wie Frühstück und
dem Weg zur KiTa). Mal auf einem Bein, mal auf beiden, mal liegt eines auf dem Fensterbrett,
mal wackle ich im Takt der Musik, mal strecke ich die Beine bewusst durch.
Zwischendurch lasse ich meinen Oberkörper immer wieder nach vorne fallen (nachdem
ich mich zur Seite gedreht habe; und ich mache Yoga, tun Sie das nicht, gehen Sie hier
bitte behutsam vor). Auf diese Weise bin ich immer irgendwie in Bewegung. Es fällt mir
deutlich leichter, meine Schultern nach hinten zu rollen und ich verfalle nicht in eine
Sitzhaltung, die ich Stunden später im unteren Rücken spüre.

IKEA SKARSTA

Und das mache ich seit fast einem Jahr. Und ich kann es mir nicht mehr anders vorstellen.
In vielen Büros werden Steharbeitsplätze angeboten. Fragen Sie Ihren Arbeitgeber
danach. Wenn Sie für die Arbeitsplatzgestaltung selbst verantwortlich sind, ist
vielleicht meine Variante etwas für Sie. Ich habe mir den Unterbau des Ikea SKARSTA
Stehschreibtisches gekauft (das ist keine bezahlte Werbung). Ja, den gibt es separat.
Wenn Sie also bereits über eine Schreibtischplatte verfügen, können Sie den Unterbau
in einer IKEA-Filiale einzeln erwerben. Das wird auf der Website leider nicht kommuniziert.
Aber es ist möglich.

Die Montage funktioniert relativ unkompliziert, wenn man die richtigen Schrauben für
seinen Schreibtisch hat. Mit der passenden Platte ist es jedoch leichter. Und dann kann
man die Schreibtischhöhe nach Belieben hoch und runter kurbeln. Wenn Sie nicht zu
den Kurblern gehören, können Sie auch etwas mehr Geld ausgeben und zur elektrischen
Variante greifen. Ich persönlich fand die Idee, selbst ein bisschen Kraft aufbringen
zu müssen, passend. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, wann ich die Höhe
das letzte Mal überhaupt verstellt habe. Das kommt tatsächlich nur dann vor, wenn
meine Beine nach einem langen Lauf nach Ruhe schreien.

Aber ich schweife ab. Der Unterbau hat also den Vorteil, dass Sie immer wieder
zurück können. Sie können langsam anfangen. Erst zwanzig Minuten am Tag (machen
Sie nicht nur fünf MInuten, dann haben Sie keine Lust auf das Gekurbel) und schließlich
mehrere Stunden. Vielleicht gibt es Arbeiten, die Sie lieber im Sitzen erledigen. Bei
manchen Aufgaben scheint der Kopf einfach besser zu funktionieren, wenn er die Luft
aus einer anderen Etage bekommt.

Und wann merke ich da was von?

Wie dem auch sei, der Effekt wird sich sehr schnell einstellen. Wahrscheinlich fühlen
Sie sich lockerer, fitter und können, wenn Sie auf Ihre Pausen achten, konzentrierter
arbeiten. Außerdem verbrennen Sie im Stehen deutlich mehr Kalorien. Sie müssen
nicht extra aufstehen, um den Kollegen im Büro nebenan zu besuchen oder in die
Küche zu gehen, um sich ein Glas Wasser zu holen, und werden diese Dinge deshalb
vermutlich deutlich öfter tun und damit noch mehr Bewegung in Ihren Arbeitsalltag bringen.

Für jemanden wie mich, die ihren täglichen Arbeitstag am PC verbringt, hat diese
Umstellung einiges bewirkt. Und ich hoffe, dass Sie sich der Idee öffnen und die gleichen
Erfahrungen machen werden.

 

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