Warum Sie nicht lernen sollten. | Motivation zum Lernen Teil 3


In der letzten Woche ging es in dieser Serie darum, wie Sie sich auch dann zum Lernen (oder für andere Dinge) aufraffen können, wenn die Motivation dafür nicht aus der Tiefe Ihres Herzens kommt. Doch es gibt auch Situationen, in denen die Motivation so weit von außen kommt, dass Sie darüber nachdenken sollten, ob wirklich Sie es sind, der dieses Ziel erreichen will. Ob es wirklich Ihr Ziel es ist, dem Sie dieser Weg näher bringt.

Was soll das heißen? Immerhin waren Sie es doch, der oder die sich dazu entschieden hat, den Weg einzuschlagen. Aber wieder einmal sollten Sie sich die Frage stellen, warum Sie das getan haben. Vielleicht träumen Sie seit der Schule davon, einmal ein großes Strandhaus zu besitzen und mit einem Porsche 911er über die Grenze nach Frankreich zu fahren, wenn Ihnen danach ist. Vielleicht wollten Sie schon damals nichts anderes, als finanzielle Unabhängigkeit, weil Sie die in Ihrer Kindheit nicht hatten. Und deshalb haben Sie schon in der Schule die Wochenenden damit verbracht, zu lernen und sind von den wenigen Partys, auf die man Sie eingeladen hat, vor 22 Uhr wieder verschwunden.

Vielleicht war das der Grund, warum Sie ein BWL-Studium angefangen und nebenbei schon bei einem großen Bankunternehmen gearbeitet haben. Und dann haben Sie jemanden kennengelernt. Und diese Person steht voll und ganz hinter Ihnen und unterstützt Sie, auch noch nach dem Bachelor-Studium, während Sie Zehn-Stunden-Tage (manchmal sind es auch zwölf) in der Bank verbringen und danach noch für den Master-Abschluss lernen, den Sie im Fernstudium machen.

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Alte Ziele überdenken

Und Sie sind so getrieben von Ihrem alten Ziel, dass Sie gar nicht merken, dass Sie das alles nicht mehr wollen. Dass Sie inzwischen einen anderen Weg gehen wollen. Sie machen trotzdem weiter, aber Sie sind immer weniger motiviert, sich auch an den Wochenenden hinzusetzen und den Sommertag statt mit Ihrem Partner am See am Schreibtisch zu verbringen. Vielleicht kommt dann irgendwann der Moment, in dem Sie sich bewusst werden, dass sich Ihre Ziele geändert haben, weil Sie sich verändert haben. Weil die Angst vor einem unerfüllten Leben, verschwunden ist, als Sie gemerkt haben, dass Sie diese Erfüllung viel eher durch das Leben selbst als durch Geld finden können.

Aber vielleicht kommt dieses Bewusstsein auch nicht und Sie jagen immer weiter diesem einen Ziel hinterher, nur deshalb, weil Sie sich so lange daran festgehalten haben und das doch jetzt auch zu Ende bringen wollen. Die ganze Zeit, die Sie bisher investiert haben, nicht verfallen lassen möchten.

Das ist verständlich. Wer gesteht sich schon gern ein, dass er die vergangenen Jahre mit etwas verbracht hat, was nun die Bedeutung verloren hat. Und gegenüber Familie und Freunden zuzugeben, dass man auf dem Holzweg war, ist für das eigene Ego eine echte Niederlage. Aber eigentlich stimmt das nicht. Oder vielleicht doch, denn das Ego lässt uns ja gern falsche Schlüsse ziehen, nur damit es nicht verletzt wird.

Aber für uns selbst und für unser Leben kann es nur ein Sieg sein, wenn wir erkennen, dass wir einen Weg beschreiten, der nicht unserer ist. Wenn wir einen Schritt zurück gehen oder besser noch ein Flugzeug besteigen und die Sache von oben betrachten, um die Perspektive zu wechseln und zu erkennen, welche Wege es noch gibt, und welcher am besten zu uns passt.

Deshalb hinterfragen Sie Ihre Ziele immer wieder. Sind es noch die Ihren? Sehen Sie sich noch am Ende des Weges oder warten Sie nur darauf, das jetzt endlich hinter sich zu bringen, damit Sie etwas Neues beginnen können. Schließen Sie aus, dass es sich nur um ein kurzzeitiges Motivationstief handelt, dass Sie leicht mit einer extrinsischen Motivation überbrücken können. Und wenn Sie sicher sind, dass der Weg Sie nicht länger zu dem führt, was Sie wollen, dann brechen Sie ihn ab und orientieren Sie sich neu.

Das Gleiche gilt übrigens, wenn Sie etwas nur deshalb tun, weil andere es von Ihnen erwarten. Wenn Sie die Zwölf-Stunden-Tage in der Bank und das abendliche Lernen für den Master-Abschluss nur deshalb durchziehen, weil Ihre Partnerin das von Ihnen erwartet, Sie selbst aber viel lieber alles abbrechen und eine Tischler-Lehre beginnen wollen, treffen die gleichen Dinge zu, wie weiter oben angesprochen.

Natürlich gibt es Situationen, in denen wir Dinge einfach tun müssen. Aber hier geht es um die wirklich großen Ziele in unserem Leben. Für deren Weg wir einen Großteil unserer Zeit aufbringen. Und diese Zeit ist begrenzt. Warum sollten wir diese begrenzte Zeit mit Dingen verbringen, die uns nicht erfüllen?

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