Sprachen lernen Serie Teil 2: Wiederholungen.


Sprachen lernen durch ständiges Wiederholen

Ja, sicher, das ist ein banaler Hinweis. Aber denken wir mal ein bisschen darüber nach. Wir sind ein sehr ergebnisorientiertes Land. Wann immer wir einen Meilenstein, eine gewisse Kennzahl oder irgendein anderes Ziel erreichen, klopfen wir uns auf die Schulter, sind stolz und haken die Sache ab.

Das Problem kann nun aber sein und ich sage ausdrücklich nicht, dass es so ist, sondern dass es so sein kann, dass wir zwar von außen betrachtet irgendwo angekommen sind. Inhaltlich aber einiges fehlt. Wenn Sie eine Hausarbeit abgeben, ohne sie Probe gelesen zu haben, können Sie diese Aufgabe zwar abhaken, aber wirklich erledigt ist sie nicht.

Und wenn Sie ein Fachbuch über die Programmierung mit C+ lesen, aber keine der enthaltenden Übungen machen und unbekannte Fachbegriffe nicht nachschlagen, können Sie zwar, möglicherweise sogar ohne dabei einzuschlafen, zum Ende des Buches gelangen und jedem, der sie beim Anblick Ihres Bücherregals fragt, ob Sie dieses Buch gelesen haben, zunicken. Sie haben aber inhaltlich wahrscheinlich nur wenig, vielleicht sogar gar nichts mitgenommen außer vielleicht den Rechtschreibfehlern des Autors.

Die Meilensteine beim Lernen einer Sprache sind Kapitel in Büchern, eine bestimmte Anzahl an gelernten Worten oder der Abschluss eines Lernabschnitts in einer App oder das Abschlusszeugnies eines externen Kurs. Sie können all diese Ziele erreichen, ohne langfristig etwas mitgenommen zu haben. Sie können sich täglich mit immer schwierigeren Inhalten einer Sprache beschäftigen und nach einem Jahr doch immernoch gravierende Lücken und Schwachstellen bei der Anwendung von Basis-Kenntnissen haben.

Entgegenwirken können Sie dem nur durch stetiges Wiederholen der immer gleichen Inhalte und zwar solange, bis Sie diese ohne Nachzudenken anwenden können. Und auch dann kann es sein, dass Ihnen die Inhalte irgendwann, wenn Sie sie jahrelang nicht nutzen, wieder verloren gehen. Das klingt alles nicht besonders motivierend. Und deswegen ist es auch so schwer, eine Sprache zu lernen, die wir nicht anwenden. Oder, um positiv zu bleiben, deshalb ist es so leicht, eine Sprache zu lernen, wenn wir in einem Land leben, in dem diese Sprache uns rund um die Uhr um die Ohren gehauen wird.

Das ist den wenigsten von uns vergönnt. Ein paar Möglichkeiten, Sprachwissen im Alltag zu wiederholen, möchte ich Ihnen hier aber vorstellen:

1. Lernkarten.

Gääähn denken Sie vielleicht, weil Sie diesen Tipp jetzt schon das zehnte Mal lesen. Das macht ihn aber nicht weniger interessant und auch nicht weniger wirkungsvoll. Zwar gibt es inzwischen unzählige Apps und Computerprogramme, die Ihnen das Schreiben der Karten abnehmen. Sie nehmen Ihnen aber auch einen wichtigen Schritt beim Wiederholen ab. Nämlich das Aufschreiben per Hand. Das Gehirn erinnert sich leichter an Worte und Sätze, die die eigene Hand notiert hat. Vielleicht fällt Ihnen später, wenn Sie nach der Übersetzung für “Tisch” suchen, der Knick an der Karte ein oder ein Schreibfehler, den Sie korrigieren mussten.

Wie Sie mit Karteikarten lernen, möchte ich hier nicht ausführen. Dazu gibt es unzählige, vermutlich bessere, Texte wie z.B. diesen hier.

2. Lesen Sie Übungstexte 20 Mal oder öfter.

Ja, sie sind langweilig. Ja, sie sind aus dem Nichts gegriffen. Aber sie enthalten nun mal die Vokabeln, die Sie jetzt gerade lernen sollen und deshalb sollten Sie diese Texte so lange durcharbeiten bis Sie sie auswendig und die Verwendung der neuen Wörter und Grammatik-Regeln 100%ig nachvollziehen können.

3. Kleben Sie Post-its auf alles.

Das sieht vermutlich nicht besonders schön aus. Aber sie werden die Möbelstücke, Lebensmittel und Geräte schnell bei ihrem fremdsprachlichen Namen rufen können, wenn Sie diesen jedes Mal lesen, sobald Sie den Gegenstand benutzen.

4. Wörter finden.

Nehmen Sie sich einen (schweren) Text in der fremden Sprache vor und durchsuchen Sie ihn nach den Vokabeln, die Sie gerade lernen. Oder sie suchen nach allen Worten, die Sie bereits kennen. Markieren Sie sie mit einem Textmarker und freuen Sie sich darüber, wie viele Worte sich bereits in Ihrem Gedächtsnis finden.

5. Grammatikübungen.

Grammatik macht keinen Spaß. In vielen Sprachen unterscheidet Sie sich gravierend von der deutschen und ihre Anwendung macht in aller Regel keinen oder wenig Sinn für uns. Trotzdem kommen wir nicht um sie herum. Und auch hier wird es einfacher, wenn wir wiederholen. Wenig Sinn macht es, die Regeln immer wieder durchzukauen. Wenn Ihnen einmal klar ist, worum es geht, sollten Sie sie anwenden. Konjugieren Sie beispielsweise regelmäßig neue und bereits bekannte Verben in allen Zeitformen, die Sie schon gelernt haben.

Oder formulieren Sie grammatikalisch ähnliche aber inhaltlich unterschiedliche Sätze. Suchen Sie nach einer Reihe von Substantiven, denen Sie den richtigen Artikel und die korrekte Pluralform zuweisen können oder formen Sie Adverbien von allen Adjektiven, die Sie neu lernen.

Wann immer Sie können, wiederholen Sie, was Sie schon wissen und was Sie gerade gelernt haben.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!